Erasmus-Budget: Was ein Auslandssemester wirklich kostet
Von den Kosten vor der Abreise bis zu den monatlichen Lebenshaltungskosten — eine realistische Budgetplanung mit echten Zahlen nach Ländern.
Der häufigste Fehler bei der Erasmus-Budgetplanung ist, alles auf eine einzige Monatszahl zu reduzieren. Tatsächlich besteht die Ausgabe aus zwei getrennten Blöcken: Startkosten, die vor der Abreise anfallen und größtenteils nicht zurückkommen, und laufende monatliche Lebenshaltungskosten vor Ort. Das Stipendium deckt den zweiten Block teilweise ab — den ersten so gut wie gar nicht.
Dieser Beitrag trennt beide, mit echten Zahlen.
Block 1: Kosten vor der Abreise
Diese Beträge verlassen Ihr Konto, bevor das Semester beginnt, und die erste Stipendienrate kommt häufig erst danach. Sie brauchen also Startkapital.
- Visumgebühr. Rund 75 € Konsulargebühr für ein Schengen-Studentenvisum. Über eine Agentur kann die Summe 200 € übersteigen; wer selbst einreicht, spart diese Differenz.
- Krankenversicherung. Eine Police, die den gesamten Erasmus-Zeitraum abdeckt und für Schengen gültig ist, ist Pflicht. Die Kosten hängen von Dauer und Leistungsumfang ab.
- Flug. Semesteranfang und -ende sind Hochsaison; zwei Monate im Voraus buchen macht einen erheblichen Unterschied.
- Kaution. Der ärgerlichste Posten: meist ein bis zwei Monatsmieten im Voraus. Theoretisch bekommen Sie sie zurück — aber erst am Ende, das Geld ist also ein halbes Jahr lang nicht verfügbar.
Wer nach Deutschland geht: das Sperrkonto
Deutschland steht auf dieser Liste gesondert. Für das Visum müssen 11.904 € auf einem Sperrkonto liegen, ausgezahlt mit höchstens 992 € pro Monat. Das ist keine Ausgabe — es ist Ihr Geld. Aber es muss bei der Antragstellung vorhanden sein, Sie brauchen also Zugriff auf diesen Betrag.
Die echten Kosten sind die Anbietergebühren: 119–159 € Einrichtung plus 9–9,90 € monatlich, im Jahr also 220–280 €.
Die vollständige Reihenfolge steht im Deutschland-Ratgeber.
Block 2: Monatliche Lebenshaltungskosten
Hier gehen die Länder deutlich auseinander. Mit demselben Stipendium lebt man in Polen bequem und in den Niederlanden knapp.
Miete — der entscheidende Posten
| Ort | Einzelzimmer (monatlich) |
|---|---|
| Krakau | 1.800–2.300 zł (ca. 420–540 €) |
| Deutschland (je nach Stadt) | 400–800 € |
| Niederlande | 600–800 € |
Studentenwohnheime liegen überall deutlich unter dem Markt, aber die Plätze sind begrenzt und die Bewerbung öffnet Monate vor Semesterbeginn. Ein verpasster Wohnheimplatz ist die eine Entscheidung, die das Budget verdoppeln kann.
Prüfen Sie immer, ob Nebenkosten enthalten sind — in Polen sind sie es meist nicht.
Weitere laufende Kosten
- Nahverkehr. Ein Studierendenticket halbiert in den meisten Städten den Fahrpreis; in Krakau wird es im Büro des Verkehrsbetriebs mit Immatrikulationsbescheinigung und Pass in zehn Minuten ausgestellt. In den Niederlanden ist das eigentliche Verkehrsmittel das Fahrrad: gebraucht 80–150 €, einmal gezahlt und das ganze Semester genutzt.
- Essen. Eine warme Mahlzeit auswärts pro Tag, der Rest aus dem Supermarkt hält Sie bei 150–250 € im Monat. Jede Mahlzeit auswärts verdoppelt das etwa.
- Telefon. Mit einer eSIM aktivieren Sie die Nummer vor der Landung — das verhindert sowohl einen ersten Tag ohne Internet als auch eine Roaming-Rechnung.
Wie weit reicht das Stipendium?
Das Erasmus-Stipendium wird nach Ländergruppen festgelegt und ist nicht darauf ausgelegt, die Lebenshaltungskosten vollständig zu decken — es ist ein Zuschuss. In der Praxis:
- In Polen, Tschechien oder Ungarn kann es den Großteil der Miete abdecken.
- In den Niederlanden, Deutschland oder Frankreich reicht es kaum für die Hälfte.
Ihren eigenen Betrag entnehmen Sie der Liste Ihres Erasmus-Büros; er hängt von Ländergruppe und Studienjahr ab. Wie und wann gezahlt wird, ist ein eigenes Thema — siehe Auszahlung des Stipendiums.
Eine realistische Planungsmethode
- Startkosten addieren. Visum, Versicherung, Flug, Kaution und gegebenenfalls die Sperrkontogebühr. Auf diese Summe brauchen Sie vor der Abreise Zugriff.
- Monatsbetrag schätzen. Miete plus Nebenkosten plus 250 € (Essen, Nahverkehr, Telefon) ist ein solider Ausgangswert.
- Stipendium abziehen und die Lücke mit der Monatszahl multiplizieren. Das Ergebnis muss aus Ersparnissen oder von der Familie kommen.
- Reisebudget getrennt halten. Das häufigste Erasmus-Bedauern ist, am Ende kein Geld mehr fürs Reisen zu haben. Eine zehntägige Mitteleuropa-Runde kostet 450–700 €; auf den Routenseiten stehen vollständige Budgetaufstellungen.
- Einen Monat Puffer lassen. Kautionen kommen spät zurück und die zweite Stipendienrate kann erst nach Semesterende eintreffen.
Die häufigsten Budgetfehler
- Die Kaution weglassen, weil man sie "zurückbekommt". Das Geld ist ein halbes Jahr blockiert.
- Das Sperrkonto für eine Ausgabe halten — oder umgekehrt die Einrichtungsgebühr ignorieren.
- Die Wohnheimfrist verpassen und auf den privaten Markt angewiesen sein.
- Annehmen, die erste Rate komme vor der Abreise.
- Den Rückflug auf später verschieben.
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