"Erasmus-Krankenversicherungsleitfaden: Reicht die EHIC aus, oder braucht man eine Privatversicherung?"
Ein Leitfaden fuer Erasmus-Studierende zu EHIC, privater Krankenversicherung, Campus-Anforderungen und Vorbereitung des Versicherungsnachweises.
Die Versicherung ist der Posten der Erasmus-Akte, den man am häufigsten für "erledigt" hält und der am häufigsten Probleme macht. Der Grund: Es gibt drei getrennte Versicherungsbedarfe, und die meisten Studierenden halten den einen für den Ersatz des anderen.
Drei getrennte Bedarfe
1. Versicherung für das Visum. Die für den Schengen-Antrag verlangte Reisekrankenversicherung, meist mit mindestens 30.000 € Deckung. Sie muss den gesamten Erasmus-Zeitraum abdecken.
2. Im Land gesetzlich vorgeschriebene Versicherung. Manche Länder verlangen für die Immatrikulation eine lokale Krankenversicherung — Deutschland ist das strengste Beispiel.
3. Im Alltag tatsächlich nützliche Deckung. Der Teil, mit dem Sie zum Arzt gehen, ohne vorher zu zahlen.
Diese drei können dieselbe Police sein, müssen es aber nicht. Der häufige Fehler ist, eine günstige, fürs Visum gekaufte Reisepolice für alle drei zu halten.
Reicht die EHIC?
Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) beziehungsweise das entsprechende Dokument Ihres Heimatlandes deckt Notfälle und notwendige Behandlungen im öffentlichen System. Das ist ein echter Schutz, hat aber drei Lücken:
- Fürs Visum genügt sie meist nicht allein. Konsulate können zusätzlich eine private Police verlangen.
- Private Anbieter sind nicht abgedeckt. In vielen Städten ist die Privatpraxis der schnelle Weg zum Termin.
- Rücktransport und Reisedeckungen wie Gepäck oder Stornierung fehlen.
Betrachten Sie die EHIC als Ergänzung, nicht als Gesamtlösung.
Was Sie vor dem Abschluss prüfen sollten
- Beginn und Ende. Die Police muss vor der Abreise beginnen und nach dem Rückreisedatum enden. Der häufigste Fehler ist, das Semesterende zugrunde zu legen und die Heimreise ungedeckt zu lassen.
- Deckungssumme. Die übliche Schengen-Schwelle liegt bei 30.000 €.
- Geltungsbereich. Es muss "Schengen-Staaten" heißen; nur das Zielland genügt nicht, denn beim Grenzübertritt entfällt der Schutz.
- Rücktransport. Transport nach Hause in schweren Fällen — die meisten Konsulate achten darauf.
- Selbstbeteiligung. Bei günstigen Policen können die ersten 100–200 € auf Sie entfallen.
- Vorerkrankungen. Chronische Leiden sind meist ausgeschlossen; wenn Sie Medikamente nehmen, fragen Sie ausdrücklich nach.
- Sport und Aktivitäten. Ski oder Klettern erfordern häufig einen Zusatzbaustein.
Worauf je nach Land zu achten ist
Deutschland. Bei der Immatrikulation wird eine deutsche Krankenversicherung (gesetzlich oder anerkannt privat) verlangt. Die fürs Visum gekaufte Reisepolice ersetzt sie nicht. Das ist eine eigene Aufgabe in der Einschreibungswoche. Deutschland-Ratgeber
Niederlande. Für Studierende von außerhalb der EU ist die Versicherung Pflicht und hängt wie fast alles an der BSN — die wiederum der Anmeldung folgt. Planen Sie diese Verzögerung in den ersten Wochen ein. Niederlande-Ratgeber
Polen. Eine schengengültige Police ist verpflichtender Bestandteil der Visumakte. Polen-Ratgeber
Nach dem Abschluss
- Speichern Sie Policennummer und Notrufnummer offline auf dem Handy.
- Führen Sie einen Ausdruck mit; bei Erstanmeldungen kann er verlangt werden.
- Lesen Sie die Ausschlüsse einmal durch — im Schadensfall ist dafür ein schlechter Zeitpunkt.
- Verlängert sich der Aufenthalt, verlängern Sie die Police; setzen Sie eine Erinnerung auf das Enddatum.
Häufige Fehler
- Die Police deckt die Heimreise nicht ab.
- Die EHIC wird für das Visum als ausreichend angesehen.
- Die deutsche Einschreibungsversicherung wird nicht als eigene Aufgabe behandelt.
- Die günstigste Police wird gewählt, ohne die Selbstbeteiligung zu bemerken.
- Bei Verlängerung des Aufenthalts wird die Police nicht verlängert.
Die vollständige Visumakte steht im Visum- und Aufenthaltsratgeber, die Gesamtkosten im Budgetratgeber.
Verbindlich sind die aktuellen Vorgaben Ihrer Hochschule und des Ziellandes; dieser Beitrag gibt den allgemeinen Rahmen.