"Erasmus-Visum- und Aufenthaltserlaubnis-Leitfaden: Was Sie vor der Abreise klaeren sollten"
Ein grundlegender Leitfaden fuer Erasmus-Studierende zu Visa, Aufenthaltserlaubnissen, Meldepflicht und offiziellen Verfahren nach Land.
Visum und Aufenthaltstitel verursachen bei Erasmus die meisten Verzögerungen — die Ursache liegt aber meist darin, dass die Unterlagen in der falschen Reihenfolge zusammengestellt werden, nicht am Konsulat. Ein Visumantrag hängt an einer Kette von Voraussetzungen; mit einer fehlenden Unterlage zum Termin zu erscheinen bedeutet, den Termin zu verlieren.
Dieser Beitrag beschreibt die Reihenfolge und den entscheidenden Unterschied je Land.
Zuerst zwei Dinge trennen: Visum und Aufenthaltstitel
Es sind verschiedene Verfahren, meist in verschiedenen Ländern:
- Das Visum verschafft die Einreise und wird vor der Abreise vom Konsulat im Heimatland erteilt.
- Der Aufenthaltstitel legalisiert den Aufenthalt und wird in der Regel nach der Ankunft bei der örtlichen Behörde beantragt.
Bei kurzen Erasmus-Aufenthalten (unter 90 Tagen) verlangen manche Länder keinen Aufenthaltstitel, ein Schengen-Visum genügt. Ab einem Semester gibt es fast überall einen Aufenthaltsschritt.
EU-Bürger brauchen kein Visum, unterliegen bei Aufenthalten über drei Monaten in den meisten Ländern aber einer Meldepflicht.
Die richtige Reihenfolge der Unterlagen
Die Reihenfolge ist nicht beliebig; jeder Schritt braucht das Ergebnis des vorherigen.
1. Reisepass. Mindestens drei Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig. Ist eine Erneuerung nötig, steht sie vor allem anderen — sie dauert für sich genommen Wochen.
2. Zulassungsschreiben. Die offizielle, unterschriebene Fassung der Gasthochschule. Entwürfe oder E-Mail-Verläufe werden nicht akzeptiert.
3. Finanzierungsnachweis. Der Posten mit den größten Länderunterschieden und dem größten Zeitbedarf:
- Deutschland: das Sperrkonto. 11.904 € müssen darauf liegen, ausgezahlt mit höchstens 992 € monatlich. Die Bestätigung dauert je nach Anbieter zwei Tage bis zwei Wochen. Das Geld gehört Ihnen; die echten Kosten sind nur 119–159 € Einrichtung plus 9–9,90 € monatlich. Deutschland-Ratgeber
- Andere Länder: Kontoauszüge, das Stipendienschreiben oder eine Verpflichtungserklärung genügen meist. Prüfen Sie stets die aktuelle Liste des Konsulats.
4. Krankenversicherung. Eine Police für den gesamten Erasmus-Zeitraum, gültig für Schengen, meist mit einer Mindestdeckung von 30.000 €. Siehe den Versicherungsratgeber.
5. Unterkunftsnachweis. Wohnheimbestätigung, Mietvertrag oder Einladungsschreiben. In manchen Ländern lässt sich die Akte ohne Adresse nicht eröffnen.
6. Der Termin. Buchen Sie ihn, wenn das Obige vorliegt. In der Hochsaison liegen Termine vier bis acht Wochen in der Zukunft; das ist die eigentliche Beschränkung für Ihr Abreisedatum.
Der entscheidende Unterschied je Land
Deutschland. Am Anfang der Kette steht das Sperrkonto. Nach der Ankunft folgt die Anmeldung, auf der Aufenthaltstitel, Bankkonto und Mobilfunkvertrag aufbauen. In Großstädten wie Berlin ist ein Bürgeramtstermin schwer zu bekommen — täglich morgens nachzusehen ist der übliche Rat.
Niederlande. Die Kette beginnt mit der Unterkunft: Die BSN braucht die Anmeldung bei der Gemeinde, die Anmeldung eine Adresse, die Adresse einen Vertrag. Die BSN ist vor der Ankunft nicht erhältlich. Niederlande-Ratgeber
Polen. Versicherung und Unterkunft vorher; Aufenthaltsformalitäten nach der Ankunft. Polen-Ratgeber
Häufige Fehler
- Den Termin buchen, bevor die Unterlagen vollständig sind. Eine unvollständige Akte wird abgewiesen, der nächste Termin liegt Wochen später.
- Das Ablaufdatum des Passes zu spät bemerken. Der eine Posten, der den gesamten Kalender verschiebt.
- Nicht prüfen, ob die Versicherung das Ende des Aufenthalts abdeckt. Das Enddatum der Police muss nach dem Rückreisedatum liegen.
- Das Sperrkonto auf die Zeit nach dem Visumtermin verschieben. Ohne Bestätigungsschreiben wird die Akte nicht eröffnet.
- Unnötig eine Agentur bezahlen. Beratung ist nicht verpflichtend; die Konsulargebühr liegt bei rund 75 €, über eine Agentur kann die Summe 200 € übersteigen.
Die ersten zwei Wochen nach der Ankunft
- Wohnsitz anmelden (Anmeldung / inschrijving / lokale Entsprechung).
- Antrag auf den Aufenthaltstitel eröffnen — in den meisten Ländern läuft die Frist ab der Anmeldung.
- Steuer- oder Identifikationsnummer beantragen, falls erforderlich.
- Immatrikulation abschließen und Studierendenausweis abholen.
- Bankkonto eröffnen — nach der Anmeldung deutlich einfacher.
Wenn Sie arbeiten wollen, lesen Sie die Bedingungen auf Ihrem Aufenthaltsdokument; Einzelheiten im Beitrag zur Arbeitserlaubnis.
Welche Quelle ist verbindlich?
Forum- und Blogangaben veralten schnell. Die Rangfolge lautet: die aktuelle Seite des Konsulats des Ziellandes → die Ausländerbehörde dieses Landes → das International Office der Gasthochschule. Ihr eigenes Erasmus-Büro kennt den Ablauf, legt die Visumregeln aber nicht fest.
Erfahrungen mit demselben Konsulat finden Sie in den Räumen — besonders Taktiken zur Terminsuche kursieren dort.